Mit Hoodie im Büro – Wie Casual Wear ganze Branchen unterwandert

Für die einen bedeutet es den Verfall der Sitten, für die anderen Freiheit und zwanglose Identitätsdarstellung. Über gelockerte Dresscodes und Fortschritt im Business.

Von Sarah, 01.08.2019
In vielen Büros herrschen heute lockere Dresscodes - vor allem in kreativen Branchen.
Foto: Foxy Burrows/ ShutterstockCaption

 

Krawatten, Hemden und Anzüge? Fehlanzeige. Stattdessen lungern junge Männer und Frauen in T-Shirts und Hoodies vor ihren Rechnern. Casual Wear, also bequeme Freizeitkleidung, hält zunehmend Einzug in deutsche Büros, vor allem wenn diese sich mit IT, Medien oder Werbung befassen. Auch in Startups sucht man meist vergeblich nach verbindlichen Dresscodes. Doch wie konnte es so weit kommen? Mit der Frage befasst, hat sich der Autor und Philosoph Philipp Hübl. In seinem kürzlich erschienenen Buch „Die aufgeregte Gesellschaft“ beschreibt er unter anderem den Wandel von Mode in beruflichen und politischen Kontexten, also im öffentlichen Raum. Seiner Ansicht nach, ziehen progressive Branchen, also Metiers in denen Neuerungen und Innovationen geschaffen werden, Menschen an, die ihre Vielfalt, Individualität und auch Beweglichkeit durch ihre Kleidung ausdrücken möchten. Doch nicht nur ihre eigene Fortschrittsliebe zeigen sie durch ihre Kleidung.

 „Progressive betonen nicht nur ihre eigenen Prinzipien, sie wollen manchmal auch die konservativen Prinzipien Autorität, Loyalität und Reinheit sichtbar unterwandern. Antiautoritäre Progressivitätsmarker richten sich gegen klare Kategorien, Struktur und Ordnung etwa durch asymmetrische Haarschnitte, Kleidungsstücke im used look und androgyne Schnitte“, erklärt Philipp Hübel.

Während Hoodies und legere Kleidung zunehmend Akzeptanz findet, so gibt es jedoch manche Modeerscheinungen, die auch in progressiveren Büros umstritten sind. Dazu gehören Tätowierungen, Piercings und religiöse Symbole. Außerdem knappe Kleidungsstücke wie bauchfreie Tops, kurze Hosen bei Männern und Sandalen. Die Lockerung der Dresscodes trifft eher Branchen, die in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten entstanden sind. Geschäftszweigen, die über eine längere Geschichte und auch straffere Hierarchien verfügen, ist jedoch wenig daran gelegen, den brancheninternen Dresscode zu lockern. Beispielsweise im Finanzwesen, bei Versicherungen und Banken, hängt vieles vom Auftreten und eben auch vom Aussehen des jeweiligen Mitarbeiters ab. Wer möchte denn einem Mann mit Cargoshorts und Flip-Flops seine Aktien oder seine Altersrente anvertrauen? Doch eben diese Form von Unternehmen ist im Rückzug begriffen, viele Arbeitgebern schreiben geben Angestellten weniger strenge Regeln mit auf dem Weg. Vor allem, wenn die Arbeitnehmer nicht im Außendienst tätig sind und kaum oder keinen Kontakt mit Kunden haben. Dann darf auch gerne die Bequemlichkeit im Vordergrund stehen. Ordentliche und saubere Kleidung ist natürlich trotzdem ein absolutes Muss, schließlich ist auch alternativer oder progressiv gekleideter Mitarbeiter ein Aushängeschild seiner Firma. Insgesamt zeigt Casual Wear im Beruf aber über seinen Träger: Ich punkte mit Inhalten und muss nichts mit meiner Form beweisen. Langsam kommt diese Einstellung auch bei Arbeitgebern an.

 

Einige Vorschläge für Männerhoodies:

 

Und hier haben wir euch auch einige Damenhoodies zusammengestellt:

Hey, Dir scheint Kleiderliebe zu gefallen. Möchtest Du auf Deinem Startbild­schirm eine Verknüpfung zu Kleider­liebe anlegen, um ohne Umwege zu uns zu finden?
Nein, danke
Ja, bitte