Kinderkleidung mit Weitblick

Natalie entwirft, näht, zeichnet und betreibt einen Blog mit kreativen Anleitungen. Wie nebenbei zieht sie ihr eigenes Geschäft für Kindermode auf und Mutter ist sie auch noch. Mit Kleiderliebe spricht sie über den Spagat zwischen Mutterschaft, Pflicht und Kreativität – und, wie die Freude daran nicht verloren geht.

Von Sarah, 16.04.2020
Die Designerin Natalie Wildenhain vor ihrer Schreibmaschine
Die Designerin Natalie Wildenhain in ihrem Atelier und Arbeitszimmer.                                                         Foto: Natalie Wildenhain

Was für die eigenen Kinder gut und praktisch ist, gefällt auch anderen, das ist Natalie Wildenhains Devise. Als sie beispielsweise merkte, dass ihre Kinder ziemlich schnell aus ihren Stramplern herauswuchsen und keine Bodys mehr tragen wollten, suchte sie nach anderen Lösungen. 

Doch was anziehen? „Da habe ich mich hingesetzt und Pumphosen genäht, die mit dem Kind mitwachsen können“, erklärt sie. Wichtig sei dabei gewesen, dass sich der Bund bis zur Brust ziehen lässt, damit auch nach wildem Toben der Kinderbauch nicht freiliegt. Und da sie einmal am Entwerfen war, konnte sie sich ausprobieren, auf der Suche nach dem perfekten Design. Entstanden sind niedliche Pumphosen aus hübschen und kindgerechten Stoffen, die die Kleinen nicht nur beim Toben begleiten, sondern auch noch gut aussehen.

Und eines kam zum anderen, Natalie nähte nicht mehr nur für die eigenen Kinder, immer wieder kamen auch Anfragen von anderen Müttern, denn so hübsche Kleidungsstücke wecken Begehrlichkeiten. Zum Nähen fand die zweifache Mutter, als sie mit ihrem zweiten Kind schwanger war. Damals beschäftigte sie sich intensiv mit DIY-Projekten und belas sich dazu im Internet. Bis sie dann irgendwann selbst zum Skizzenblock und später zur Nähmaschine griff. Sie nähte Halstücher, Mützen, Loopschals – und irgendwann auch Maßanfertigungen für Schulanfänge. Denn viele Eltern wünschen sich an diesem Tag für ihren Abc-Schützen ein ganz besonderes Outfit, schließlich kommt die Einschulung nur einmal im Leben. Dazu spricht Natalie mit den Auftraggebern über ihre Wünsche und schlägt ein Konzept vor.

Manchmal wird die Designerin aber im Schaffensprozess von der Muse geküsst. „Ich kann immer nur einen vageren Vorschlag machen, die Ideen kommen dann im Prozess. Bislang hat sich aber noch niemand beschwert“, sagt die Kreative. Ihre Ideen kommen übrigens nicht auf Abruf. „Ich habe häufig Tage oder Stunden, dann merke ich: jetzt bin ich kreativ. Dann arbeite ich an vielen Sachen gleichzeitig“, sagt die Designerin. Manchmal stößt sie in ihrem Arbeitszimmer auf eine Stoffkombination und sofort schießen ihr die Eindrücke in den Kopf. Das Hauptwerk gerät dann schnell zur Nebensache, im Arbeitseifer näht sie dann kleine Accessoires und Stücke in der neuen Kombination und eins führt zum anderen. Mit Erfolg: wie Natalie erzählt, tragen nicht nur viele Kinder in der Schule ihrer eigenen Sprösslinge ihre Kreationen, sondern ihr Talent spricht sich herum. Doch sie backt kleine Brötchen.

„Wenn man kleine Kinder hat, weiß man, sie nehmen sehr viel Zeit in Anspruch“, sagt Natalie. Daher hat sie eine Weile warten müssen, bis ihre Kinder aus dem Gröbsten herauswuchsen, um nun den ersten Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Ihr Atelier richtete sie im Erdgeschoss ihres Familienhauses in Chemnitz ein. So kann sie sich dann an Nachmittagen um die Betreuung der Kinder kümmern und die Vormittage und häufig auch die Abende gehören der Mode.

Das Atelier der Designerin
Das Atelier der Designerin ist ein Spiegel ihrer Kreativität - immer wieder entwirft sie Neues.                 Foto: Natalie Wildenhain

„Ich habe nicht von jetzt auf gleich losgelegt, das hat sich in den vergangenen sieben Jahren entwickelt. Mein kleiner Kundenkreis wächst langsam und ich habe immer genug Zeit für die Kids“, erklärt sie. Nun ist es für die Designerin an der Zeit, ihr Tätigkeitsfeld langsam auszuweiten. Sie verkauft Artikel im Internet, auf ihrem Blog www.schneckengruenes.de und der Handarbeitsplattform Etsy. Zudem hat sie begonnen, ihrem lange brachgelegenen Talent des Malens und Karikierens wieder nachzugeben. Natalie fertigt Zeichnungen an, illustriert ihre eigenen Werbemittel selbst und fertigt auch auf Anfrage kleine Sketche, etwa für Einladungskarten.

Während sie also aus vielen ihrer Talente auch ein Geschäft machen kann, so sieht sie ihren Blog eher als arbeitsintensives Hobby am Feierabend. „Das mache ich abends ganz nebenbei vor dem Fernseher“, sagt sie. Ihre Webseite nutzt sie natürlich, um auf sich und ihre Marke „Schneckengrünes“ aufmerksam zu machen. Regelmäßig stellt sie aber auch Anleitungen ins Netz, mit denen ihre Leser selbst kreativ werden können. Dabei handelt es sich um Dekorationen und Bastelanleitungen, aber auch um Tipps, wie man vor allem mit Textilien nachhaltiger umgehen kann. Denn der Designerin tut es in der Seele weh, wie achtlos Kleidung verbraucht wird. „Aus einem alten T-Shirt kann man mit wenigen Handgriffen noch einen Loopschal oder etwas anderes nähen“, sagt sie. Wegwerfen müsse niemand etwas.

Das Thema Nachhaltigkeit treibt sie auch in den eigenen Kreationen um. Nicht nur bei den Pumphosen für Babys und Kleinkinder, sondern etwa auch bei Kleidern für Mädchen, die Mitwachsen und daher nicht andauernd neu gekauft werden müssen. Eine beliebte Idee von ihr: Zuckertüten aus Stoff. „Nach dem Schulanfang bekomme ich die Zuckertüte wieder und aus dem Stoff nähe ich einen Kissenbezug für das Kind“, sagt Natalie. Dadurch sei ihr Werk nicht nach dem Schulanfang nutzlos, sondern könne länger Freude bereiten. Ideen wie diese hat sie noch so einige. Wir können darauf gespannt sein.

Natalie hat ein eigenes Logo entworfen
Das Logo hat Natalie selbst entworfen. Foto: Natalie Wildenhain
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