DIY: Atemmasken selbst nähen – aber warum?

Immer wieder sehen wir sie in Supermärkten und auf den Straßen, die Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen brauchen dringend welche und fordern die Bevölkerung auf, sich an die Nähmaschinen zu setzen. Wir zeigen, wie du Masken für Mund und Nase selbst nähen kannst, was dabei zu beachten ist und haben einige Tipps auf Lager.

Von Sarah, 03.04.2020
Atemmasken selbst nähen
Foto: VOJTa Herout/Shutterstock

 

Ein Virus zieht durch die Welt und diese ergreift Schutzmaßnahmen. Die wirksamste Vorkehrung gegen Covid-19 ist es noch immer, zuhause zu bleiben. Doch das ist nicht immer möglich. Eine Maßnahme, um sich selbst und vor allem andere zu schützen, ist das Tragen von Mund- und Atemschutzmasken. Im thüringischen Jena ist das schon jetzt Pflicht, schon bald werden andere Orte, Landkreise und Bundesländer mit der Maskenpflicht nachziehen. Und doch ist die Maskenpflicht hochumstritten, hilft sie doch nur unter bestimmten Umständen.

Warum sollten wir Masken tragen?

Ob nun wirklich alle Menschen Masken tragen sollen, wird derzeit unter Virologen und Politikern heftig diskutiert. Dagegen spricht, dass die Masken keinen großen Schutz bieten. Wissenschaftlich ist ihr Nutzen bislang nicht erwiesen. Dennoch rät das Robert-Koch-Institut seit Kurzem zum Tragen von Gesichtsmasken. Dennoch: da Virenpartikel kleiner sind als die Maschen von Stoffen, können sie diese möglicherweise durchdringen. Aber: wie Virologen in den vergangenen Tagen immer wieder betonten, können Masken zumindest einen Teil der Partikel abhalten. Daher sind sie in Krankenhäusern, medizinischen Einrichtungen und Pflegeberufen dringend notwendig. Sinnvoll ist es außerdem, wenn infizierte Personen die Masken tragen – also Schutz ihres Umfeldes. Da der Virus, wie das Robert-Koch-Institut vermutet, als Tröpfchen und Schmierinfektion verbreitet wird, kann eine Maske eben diese Faktoren zumindest ein Stück weit zurückhalten. Sie fungiert quasi als „Spuckschutz“. Das Tragen von Masken entbindet aber nicht von den beiden wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen: Sicherheitsabstand einhalten und Hände waschen – Und: wer weiß oder vermutet, dass er infiziert ist, sollte zuhause bleiben und sich bei den zuständigen Behörden und medizinischen Einrichtungen melden und nicht seine Mitmenschen in Gefahr bringen.

Mehr zu diesem Thema findet ihr auf der Seiten des Bundes-Gesundheitsministeriums: https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus/corona-schutzmasken-1737518

Zudem empfehlen wir diesen Beitrag der ARD-Tagesschau vom 2.4., der sich mit den aktuellen Aussagen des Robert-Koch-Institut zum Thema Mundschutzpflicht auseinandersetzt:

https://www.tagesschau.de/inland/schutzmasken-coronavirus-103.html

Einer für alle oder alle für einen?

Auch wenn es Sinn macht, dass nur infizierte Menschen Masken tragen, so wird bei dieser Rechnung der soziale Aspekt außenvor gelassen. Denn kranke Menschen „outen“ sich so als solche und können gemieden, ausgegrenzt und diskriminiert werden. Daher macht es Sinn, dass alle Menschen Masken tragen, um Gleichheit herzustellen. In vielen Ländern Asiens ist das jetzt schon üblich, dort greifen Leute zum Schutz ihrer Mitmenschen insgesamt häufiger zur Maske – dadurch ist diese aber auch kein Symbol für Krankheit und Stigmatisierung, sondern eher für Nächstenliebe.  Vielleicht erlangt das Tragen von Gesichtsmasken ja auch hierzulande diese Bedeutung? Derzeit ist Atemschutz im Alltag ja noch selten zu sehen. Wobei sich das, sobald es Zwang ist, schlagartig ändern wird.

Ran an die Nadel – Aber wie?

Diese Anleitung für Gesichtsmasken mit Filterfunktion wurde uns schon von mehreren Näherinnen, aber auch Träger*innen von Gesichtsmasken empfohlen. Ein großer Bonus dieser Anleitung: sie ist in mehreren Sprachen verfügbar.
https://naehtalente.de/atemschutz-naehen/

Das Dresdner Universitätsklinikum Carl Gustav Carus veröffentlichte vor einigen Tagen ebenfalls eine Näh-Anleitung für Mund-Nasen-Schutz und rief die Bevölkerung gleichzeitig dazu auf, sich an die Nähmaschinen zu setzen und auch für die Krankenhäuser solche Masken zu produzieren, dort herrscht nämlich Mangel und Bedarf.

http://www.encourage-online.de/wp-content/uploads/2020/03/Naehnleitung-MNS.pdf

Eine weitere gute Quelle für DIY-Anleitungen aller Art ist die Seite www.smarticular.net. Auch dort wurde eine einfache und gut nachvollziehbare Nähanleitung gepostet:

https://www.smarticular.net/mundschutz-selber-machen-mit-nasenbuegel-naehanleitung/

Eine Krankenhausangestellte, die wir gut kennen, näht selbst Masken für sich und ihre Kollegen. Sie bevorzugt die Modelle des ersten Links. Ihr Tipp: wenn die Masken für mehrere Stunden getragen werden, können Gummibänder unangenehm drücken. Sie bevorzugt ihre Masken daher mit Bindebändern, so kann je nach Bedarf der Halt der Maske eingestellt werden.

Der richtige Stoff

Theoretisch eignet sich auch alte Baumwoll-Bettwäsche, wichtig ist dabei jedoch, dass ihr den Stoff vor dem Nähen bei mindestens 90 Grad wascht und so steril macht. Das Dresdner Uniklinikum geht sogar so weit, kochfesten Baumwollstoff insgesamt zu empfehlen (Molton, Geschirrtücher, etc.). Von der Verwendung von T-Shirts mit Elasthan-Anteil wird allerdings abgeraten.

Da viele Geschäfte für Handarbeitsbedarf derzeit geschlossen sind, haben wir von Kleiderliebe uns entschieden, einen Wohnen- und DIY-Bedarfsbereich freizuschalten. Dort werdet ihr sicherlich einige Materialien finden, die ihr zum Nähen von Gesichtsmasken braucht.

Im Folgenden könnt ihr nach Herzenslust nach Baumwollstoffen stöbern – wenn ihr auf die Produktkacheln klickt, werdet ihr zu den jeweiligen Shops weitergeleitet.

Wer einmal versucht hat, mit einer minder-scharfen Bastelschere Stoff zu schneiden der weiß, eine gute Stoffschere ist Gold wert. Auch, weil ihr dann den Stoffverlust enorm verringern könnt. Im Produktkarusell findet ihr Scheren, die direkt für Stoff geschaffen sind.

Wenn ihr insgesamt gerne mal wieder Nähen wollt und Abwechslung von den Masken braucht, könnt ihr auch gerne mal in unsere Stoffkategorie schauen. Dort finden sich nämlich nicht nur Stoffe für Gesichtsmasken, sondern Material für alles Mögliche. Viel Spaß beim Stöbern!

Wenn ihr euch dann mit Stoffen, Scheren und allem eingedeckt habt, geht es ans Eingemachte: ans Nähen. Gesichtsmasken mit der Hand zu nähen, ist sehr mühsam. Wir raten tatsächlich zur Nutzung einer Nähmaschine, das geht schneller und so könnt ihr größere Mengen produzieren. In unserem Sortiment findet ihr allerhand Wichtiges rund um die Nähmaschine:

Juristischer Fallstrick: Nennt eure Nähwerke nicht Mundschutz

Wo gehobelt wird, da fallen Späne, sagt eine alte Binsenweisheit. Leider stimmt sie, wie man aktuell auch am Trend, Masken selbst zu nähen, sehen kann.  Denn kaum brachten die ersten Privatpersonen „Schutzmasken“ an Menschen außerhalb ihres direkten privaten Bereichs (Familie, enge Freunde), egal ob für Geld oder als Spende, trudelten auch schon die ersten Abmahnbriefe ein. Warum? Laut www.it-recht-kanzlei.de gelten Atemschutzmasken, die zur Verhinderung der Verbreitung von Erregern eingesetzt werden, als Medizinprodukte. Solche sind dem Medizinproduktegesetz (MPG) unterworfen. Das bringt einige Hürden mit sich: Beispielsweise muss es verschiedenen Normanforderungen entsprechen, einen klinischen Leistungstest bestehen, über eine Gebrauchsanweisung verfügen und noch einiges mehr. Wenn ihr euch darüber näher informieren wollt, könnt ihr euch auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums belesen: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/gesundheitswesen/medizinprodukte/definition-und-wirtschaftliche-bedeutung.html. Alles in allem sind die Anforderungen jedoch schwer zu erfüllen, vor allem für Privatpersonen, die einfach nur ein paar Masken nähen und anderen damit etwas Gutes tun wollen. Um eine medizinische Irreführung zu vermeiden, raten wir dazu, in der Bezeichnung eurer Masken das Wort „Schutz“ zu vermeiden. Nennt sie also nicht Mundschutz, Atemschutz oder Virenschutz. Wenn ihr eure Masken einfach „Behelfsmaske“, „Gesichtsmaske“, „Mund- und Nasenmaske“ oder „Mundbedeckung“ nennt, seid ihr auf der sicheren Seite, auch im Verkauf. Mehr zu diesem Thema und eine ausführliche Erklärung findet ihr auf dieser Seite: https://www.it-recht-kanzlei.de/corona-virus-atemschutz-mundschutz-selbstgemacht.html

Bitte denkt auch an andere!

Liebe Lesende, bitte bedenkt: nicht jeder Mensch hat Zugang zu einer Nähmaschine oder die Zeit und das Wissen, sich selbst Masken anzufertigen. Dennoch ist der Bedarf da. Gerade Pflegekräfte benötigen gerade Atemmasken. Ihr könnt ihnen helfen. Fragt doch einfach mal bei hiesigen Einrichtungen an, wie der Bedarf ist. Wir sind uns sicher, auch Menschen in eurem Umfeld, die nicht zur direkten Familie gehören, freuen sich über eine Maske. Und wenn ihr dann immer noch Nählust habt, dann bestückt doch einfach auch die Gabenzäune in eurer Nähe mit Masken. Dort können sich dann bedürftige und sozial schwache Menschen bedienen. Glaubt uns, damit könnt ihr vielleicht sogar Leben retten und etwas wirklich Gutes tun.

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