Burkini – Gefängnis oder Befreiung?

Ob im Freibad oder in der Schwimmhalle: in deutschen Badeanstalten wird Haut gezeigt, viel Haut und darauf ist man stolz. Die Devise heißt: je weniger Stoff, desto besser. Lange trauten sich muslimische Frauen daher nicht ins Wasser. Der Burkini könnte Abhilfe schaffen.

Von Sarah, 24.07.2019
Strenggläubige Muslimas tragen beim Baden häufig Burkinis.
Foto: Mila Supinskaya Glashchenko/Shutterstock

 

Kaum ein Kleidungsstück erhitzt die Gemüter an Strand und Poolrand so stark wie der Burkini. Dabei handelt es sich um Bademode, die fast den kompletten Körper der Frau verhüllt. Es gibt eher enganliegende Varianten, aber auch welche mit einem tunika-ähnlichen Oberteil, die die Silhouette ihrer Trägerin verschleiert. Außerdem wird das Ensemble meist mit einem Kopftuch, einer umfangreichen Badekappe oder ähnlichem kombiniert, die das Haar ihrer Trägerin bedeckt. Das bringt die Frage auf: Darf Frau das? Und was hat sie zu verbergen?

Was ist ein Burkini?

Der Begriff „Burkini“ setzt sich aus einer Kombination der Worte „Burka“ und „Bikini“ zusammen. Ursprünglich handelt es sich um geschützte Bezeichnungen für die Bademoden der Designerin Aheda Zanetti, die den „Burkini“ erfunden hat. Mittlerweile hat sich der Begriff aber verallgemeinert und ist zum Sammelbegriff für muslimische Bademode geworden, die im Handel auch als „Bescheidene Bademode“ bezeichnet wird. Burkinis sind in zahlreichen Designs und Formen zu finden. Sie alle eint, dass die Kleidung so viel wie möglich vom Körper der Trägerin verhüllt.

Wo ist das Problem?

Der Burkini ist nicht nur ein Kleidungsstück, sondern auch ein religiöses Symbol. Gerade Feministinnen sehen darin ein Zeichen für die Unterdrückung der Frau im Islam, die sich und ihren Körper nicht frei in der Öffentlichkeit präsentieren darf, sondern ihn bedecken muss.

In Deutschland wird aktuell darüber gesprochen, ob Frauen im Burkini in öffentlichen Schwimmbädern baden dürfen. Oder ob beispielsweise Schülerinnen im Burkini am Schwimmunterricht teilnehmen können. Vehementer geht es in Frankreich zu. Dort herrscht nämlich Laizität, also die strikte Trennung von Kirche und Staat. Diese Trennung sehen viele Menschen durch den Burkini nicht mehr gewährleistet, da er die Religion in ihren Augen in den öffentlichen Raum hineinträgt. Ein Kulturkampf, der die französische, aber auch zunehmend die deutsche Gesellschaft umtreibt, wird also Anhand von Mode ausgefochten. Neben dem Burkini sind davon außerdem Kopftücher, Burkas und verschiedene Formen der Verschleierung von Frauen betroffen.

Kommentar: Wer darf über Frauenkörper bestimmen?

Die Frage ist nicht, was darf eine Frau tragen und was nicht – die Frage ist eher: muss man Haut zeigen? Ist es nicht vielmehr eine große Errungenschaft unserer Gesellschaft, dass Kleideretikette weitestgehend aufgelöst wurde und jeder tragen kann, was er will?

Wenn wir Frauen verbieten, Burkinis zu tragen, dann nehmen wir ihren die Möglichkeit der freien Entscheidung, des freien Willens. Wir erkennen ihnen ab, über ihren Körper frei bestimmen zu können. Wollen wir das?

Natürlich sollten Angebote geschaffen werden, die Frauen helfen, für ihren eigenen freien Willen einzustehen. Für den Fall, dass ihre Kleidungswahl doch nicht dem eigenen Gusto, sondern allein dem ihrer Familie, ihres Umfeldes oder eben der Religion entspricht. Wer Hilfe sucht, soll sie finden. Aber ist es die Aufgabe der Mode, darüber zu entscheiden, wer was tragen darf und wer nicht? Oder ist es nicht eher ihre Aufgabe, kreative Möglichkeiten zu bieten, um Teilhabe zu erreichen. Und eine Form von Teilhabe, gerade von muslimischen Frauen an der Gesellschaft ist es, ihnen eine Kleidung zu geben, in der auch sie sich im Wasser und am Strand wohl fühlen.

 

 

Links zur Debatte

https://www.sueddeutsche.de/politik/burkini-debatte-schmerzhafter-pragmatismus-1.4028788

https://www.deutschlandfunk.de/frankreich-raus-aus-dem-burkini-rein-in-den-burkini.886.de.html?dram:article_id=453777

https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.burkini-in-frankreich-freiheitskampf-oder-islamistischen-provokation.8e2a4621-d51e-43e7-8d56-43a4a5a53413.html

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